[ zurück ] Kritik, Analyse und Dokumentation des Antisemitismus – Andreas Büttner im Gespräch (63.49 Kb, 768 x 960, büttner.jpg) 1780160106383.jpg Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:55 Nr.151 Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:55 Nr.151 Im Neuköllner Bajszel sprach am 28.05.2026 Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner mit Alex Carstiuc über Behörden, Hochschulen, Parteien, Justiz, Bildungsarbeit und die Frage, wie jüdisches Leben sichtbar werden kann, ohne nur als gefährdetes Leben zu erscheinen. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:55 Nr.152 Der Ort war Teil des Themas Das Bajszel war an diesem Abend mehr als ein Veranstaltungsort. Die Neuköllner Programmschänke und Kulturkneipe positioniert sich öffentlich gegen Antisemitismus und wird israelsolidarisch wahrgenommen. Gerade deshalb wurde sie selbst wiederholt zum Ziel von Drohungen, Markierungen und Angriffen. Die Angriffe trafen keinen abstrakten „Diskursort“, sondern Menschen, die dort arbeiten, Veranstaltungen organisieren und für ihre Haltung sichtbar sind. Besonders schwer wiegt der Brandanschlag, bei dem Feuer gelegt und zugleich der Fluchtweg durch verklebte Schlösser blockiert wurde, während sich noch ein Mensch im Gebäude befand. Wer Feuer legt und den Ausgang blockiert, schafft eine lebensgefährliche Lage. Die Betreiber werteten den Anschlag als Mordversuch. Diese Einordnung gehört in den Text, weil sie den Charakter des Angriffs trifft: Es ging nicht um eine weitere Sachbeschädigung an einer Fassade, sondern um einen Angriff auf einen Ort, in dem sich Menschen aufhielten. Später kamen Plakat- und Flugblattaktionen hinzu, bei denen Fotos der Betreiber mit roten Dreiecken und Drohparolen verbreitet wurden. Solche Aktionen markieren Personen öffentlich. Sie sollen einschüchtern, isolieren und andere abschrecken, sich ähnlich sichtbar gegen Antisemitismus und Hamas-Verharmlosung zu positionieren. Die Gefahr, über die an diesem Abend gesprochen wurde, hatte also eine Adresse. Sie stand mit im Raum. Alex Carstiuc führte durch den Abend, setzte eigene Akzente und öffnete die Diskussion früh für das Publikum. Andreas Büttner sprach nicht nur als Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg, sondern auch als früherer Polizeibeamter, ehemaliger Politiker und jemand, der in den vergangenen Monaten selbst erheblichen öffentlichen Druck erlebt hatte. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:56 Nr.153 Israel, Sichtbarkeit und Normalität Büttner begann biografisch. Mit 19 Jahren sei er erstmals nach Israel gereist; seitdem beschäftige ihn das Land. Er habe immer wieder Menschen dorthin gebracht, gerade auch solche, die Israel kritisch oder unsicher gegenüberstanden. Israel erschien in seiner Darstellung nicht als ferner Konfliktgegenstand, sondern als konkreter Erfahrungsraum. Der stärkste Vergleich war schlicht: In Tel Aviv könne er mit Kippa frei herumlaufen, in Berlin nicht. Daraus folgte die Grundlinie des Abends. Jüdisches Leben ist in Deutschland nicht normal sichtbar, solange es ständig geschützt, erklärt oder verteidigt werden muss. Normalität meint hier nicht Konfliktfreiheit. Normalität heißt, dass jüdische Zeichen, jüdische Orte und jüdische Stimmen nicht automatisch zur Sicherheitsfrage werden. Das Amt eines Antisemitismusbeauftragten ist kein Ersatz für Polizei, Justiz, Schulaufsicht, Ministerien oder Universitäten. Es kann beraten, Öffentlichkeit herstellen, Vorfälle einordnen, Bildungsarbeit anstoßen und auf Missstände drängen. Es kann keine Gerichte anweisen, keine Verwaltungsakte ersetzen und keine Hochschullehre verbieten. Diese Grenze prägte viele Antworten Büttners. Das Publikum erwartete schnelles Eingreifen; Büttner verwies auf Zuständigkeiten, Verfahren und begrenzte Ressourcen. Aus dieser Spannung entstand ein wichtiger Teil des Abends: moralische Dringlichkeit traf auf Verwaltungswirklichkeit. Für Betroffene klingt der Hinweis auf Zuständigkeiten leicht wie Ausweichen. Für einen Amtsträger ist er oft die Grenze dessen, was er rechtlich und institutionell tun kann. Der Abend gewann an Genauigkeit, wenn beide Seiten sichtbar blieben: die Dringlichkeit der Erfahrung und die Begrenzung des Amtes. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:57 Nr.154 Alltag und Verwaltung Besonders eindrücklich waren Büttners Schilderungen aus Alltag und Verwaltung. Er berichtete von einem ehemaligen Stadtverordneten einer demokratischen Partei, der ihn als „der mit den Juden“ angesprochen habe. Das Gespräch sei anschließend in eine offen judenfeindliche Aussage gekippt. Aus Schulverwaltungszusammenhängen schilderte er die Frage, warum Bildungs- oder Gedenkstättenreisen finanziert werden sollten; „die Juden“ hätten doch Geld. Ein weiterer Fall betraf nach seiner Darstellung eine jüdische deutsche Staatsbürgerin aus Brandenburg, deren in der Ukraine geborenes Kind behördlich problematisch behandelt worden sei, unter anderem wegen unterstellter israelischer Staatsangehörigkeit. Diese Fälle bleiben Schilderungen Büttners und müssen anonymisiert werden. Ihr Gewicht liegt nicht in der vollständigen öffentlichen Nachprüfbarkeit jedes Einzelfalls, sondern in dem Muster, das sie zeigen. Alltagsantisemitismus erscheint oft als Nebensatz, Geldstereotyp, Fremdmarkierung oder bürokratische Sonderbehandlung. Er muss nicht schreien, um zu wirken. Ein Satz wie „die Juden haben doch Geld“ ist kein Missverständnis. Er trägt ein altes antisemitisches Bild in die Gegenwart und macht es verwaltungsfähig. Auch die Formulierung „der mit den Juden“ ist aufschlussreich. Sie trennt jüdische Belange vom allgemeinen demokratischen Raum ab und markiert denjenigen, der sie vertritt, als Sonderfall. So entsteht die alltägliche Form von Antisemitismus: nicht als geschlossenes Weltbild, sondern als Sprache, die jüdische Menschen immer wieder aus der Normalität herauszieht. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:58 Nr.155 Parteien und Erinnerungspolitik Auch die Brandenburger Parteipolitik kam zur Sprache. Büttner beschrieb die Lage im Landtag als belastend und sprach besonders kritisch über das BSW. Hintergrund ist der Fall Christian Dorst, der dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, eine „Instrumentalisierung des Holocaust“ vorgeworfen hatte, nachdem Schuster AfD-Äußerungen kritisiert hatte. Dorst trat später als stellvertretender BSW-Fraktionsvorsitzender zurück. Das BSW erklärte zugleich, Dorst habe die Singularität der Shoah nicht infrage gestellt. Zur AfD sprach Büttner über revisionistische Geschichtspolitik und eine instrumentelle Bezugnahme auf Juden, wenn sie gegen Muslime ausgespielt werden können. Als Beispiel steht der Fall Dominik Kaufner, der den 8. Mai 1945 als „Tag der Vernichtung“ bezeichnete. Erinnerungspolitik wird hier zum Prüfstein. Antisemitismus zeigt sich nicht nur in Aussagen über Juden. Er zeigt sich auch darin, ob jüdischer Einspruch gegen Geschichtsrevisionismus ernst genommen oder selbst angegriffen wird. Wer den 8. Mai von Befreiung auf deutsche Opfererzählung umstellt, verschiebt den historischen Maßstab. Wer den Präsidenten des Zentralrats angreift, weil er Geschichtsrevisionismus kritisiert, verschiebt den Konflikt vom Problem der Aussage auf das Problem des jüdischen Einspruchs. Genau an solchen Verschiebungen zeigt sich, wie Erinnerungspolitik in Gegenwartspolitik übergeht. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 16:59 Nr.156 Justiz, Parolen und der Abstand zwischen politischer Bewertung und Strafrecht Ein weiterer Schwerpunkt war die Justiz. Büttner sprach über Anzeigen, Einstellungsentscheidungen, Bedrohungen und die unterschiedliche Bewertung von Parolen. Bei „From the river to the sea“ verwies er darauf, dass Gerichte nicht einheitlich entscheiden. Politisch kann die Parole als Angriff auf Israels Existenz und jüdische Sicherheit verstanden werden. Strafrechtlich zählen Kontext, Sprecher, Organisationsbezug und konkrete Verwendung. Politische Bewertung und strafrechtliche Prüfung fallen nicht immer zusammen. Das schwächt die politische Kritik nicht; es zwingt zu Genauigkeit. Eine Parole kann politisch verheerend wirken, ohne in jeder Situation denselben Straftatbestand zu erfüllen. Umgekehrt kann eine juristische Entscheidung die politische Bedeutung einer Parole nicht vollständig erledigen. Für die Debatte ist diese Unterscheidung wichtig, weil sie falsche Erwartungen vermeidet und den Blick auf die eigentliche Aufgabe lenkt: benennen, dokumentieren, juristisch prüfen und politisch widersprechen. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:00 Nr.157 Universität Potsdam: Mackert und die Ringvorlesung Der konkreteste Hochschulkomplex betraf Jürgen Mackert, Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Potsdam, und seine Ringvorlesung „Genocide, Settler Colonialism, Modernity“ im Sommersemester 2026. Die Reihe verbindet westliche Moderne, Siedlerkolonialismus, Genozid, Apartheid, Namibia, Gaza und Israel in einem gemeinsamen Programm. Schon diese Rahmung erklärt, warum der Fall im Bajszel eine so große Rolle spielte. Man muss nicht jeden Vortrag der Reihe aufzählen, um die Stoßrichtung zu erkennen. Die entscheidenden Titel reichen aus. Joseph Massad spricht über „The Age of Independence and Settler-Colonialism“. Eyal Weizman ist mit „Ungrounding: The Architecture of Genocide“ angekündigt. A. Dirk Moses spricht über die Unterscheidung von Krieg und Genozid. Martin Shaw behandelt „The New Age of Genocide“ nach Gaza. Ilan Pappé fragt: „Is Israel a Jewish State? Implications for Germany“. Hassan Jabareen spricht über „Colonial Citizenship“ am Beispiel palästinensischer Staatsbürger Israels. In dieser Bündelung entsteht der politische Rahmen: Israel, Gaza, Genozid, Siedlerkolonialismus, Apartheid und Kolonialgeschichte werden programmatisch enggeführt. Der Streit richtet sich nicht gegen Forschung zu Kolonialismus, Genozid, Apartheid oder Israel. Er richtet sich gegen die Vorordnung des Deutungsrahmens. Wenn Gaza und Israel in einer universitären Reihe vor allem über Genozid, Siedlerkolonialismus und Apartheid erschlossen werden, entsteht für jüdische Studierende der Eindruck, dass das Urteil bereits vor der Prüfung feststeht. Wissenschaftsfreiheit schützt auch zugespitzte Positionen. Hochschulen tragen dennoch Verantwortung für ein Klima, in dem jüdische Studierende Kritik äußern können, ohne als Störfaktor zu erscheinen. Der Fall berührt eine größere Frage: Was geschieht, wenn akademische Begriffe den Campus verlassen und politische Wirkung entfalten? „Siedlerkolonialismus“, „Apartheid“ und „Genozid“ sind keine neutralen Etiketten, wenn sie im Konflikt um Israel verwendet werden. Sie ordnen Schuld, Legitimität und Zugehörigkeit. Sie können Erkenntnis ermöglichen, aber auch jüdische Geschichte, Vertreibungserfahrung, den 7. Oktober, die Hamas, die Geiseln und die Schutzfunktion jüdischer Staatlichkeit ausblenden. Genau an dieser Schwelle wurde die Debatte im Bajszel konkret. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:00 Nr.158 Bildungsarbeit und lokale Verantwortung Büttner sprach außerdem über Bildungsarbeit. Sie soll nicht bei Appellen stehen bleiben, sondern an konkrete Orte, Berufe und Institutionen anschließen. Ein Beispiel war die Geschichte von Reichsautobahn, A12, Zwangsarbeit und heutiger Straßenbauverwaltung. Wer mit Auszubildenden im Straßenwesen über Autobahnbau, NS-Infrastruktur und Zwangsarbeit spricht, verbindet historische Bildung mit gegenwärtiger Verantwortung. Das ist ein tragfähiger Ansatz, weil er Geschichte aus der bloßen Gedenkroutine herausholt. Sie liegt dann nicht nur im Museum oder in der Gedenkstätte, sondern auch in heutigen Behörden, Berufen und Routinen. Wer Straßen baut, verwaltet oder plant, kann an konkreten Orten lernen, wie tief nationalsozialistische Infrastruktur, Zwangsarbeit und Verwaltung ineinandergriffen. Daraus entsteht keine Schuld der heutigen Auszubildenden. Es entsteht Verantwortung für Wissen, Genauigkeit und Sprache. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:01 Nr.159 Social Media: Reichweite statt Behördenformat Praktisch wurde der Abend beim Thema Social Media. Büttner berichtete sinngemäß von einer Runde, in der vorgeschlagen worden sei, aus dem Ministerium heraus TikTok-Videos zu produzieren. Er habe zugespitzt geantwortet, ein TikTok-Video mit ihm und einem Kollegen vom Verfassungsschutz – „zwei alte Männer“, die selbst keine Ahnung von der Plattform hätten – werde kaum die nötige Reichweite erzeugen. Man brauche andere Ideen und andere Strategien. Daran schloss die Frage aus dem Publikum an, warum vorhandenes gutes Material gegen Antisemitismus nicht systematischer verbreitet werde. Büttner müsse dafür nicht selbst „sein Gesicht hinhalten“. Professionelle Produktion, Kuratierung und Weiterverbreitung vorhandener Inhalte könnten mehr bewirken als der Versuch, behördliche Kommunikation selbst in TikTok-Formate zu pressen. Der Konflikt war klar: Verwaltung produziert Briefings, Veranstaltungen und Formate. Reichweite entsteht durch Wiederholung, kurze Bilder, verständliche Sprache und gezielte Verbreitung. Antisemitismuskritische Arbeit muss nicht immer Neues erfinden. Oft muss sie vorhandenes gutes Material finden, prüfen, bündeln und aus den eigenen Binnenräumen heraustragen. Ein Clip, der nur bei der ohnehin sensibilisierten Zielgruppe läuft, erfüllt seine pädagogische Möglichkeit nur teilweise. Entscheidend ist die zweite Bewegung: die kontrollierte, professionelle und wiederholte Verbreitung in Räume, in denen solche Inhalte nicht ohnehin erwartet werden. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:01 Nr.160 Jüdisches Leben in Brandenburg sichtbar machen Auf die Frage nach einem Masterplan für jüdisches Leben in Brandenburg wurde Büttner konkret. Jüdische Gegenwart findet nicht nur in Potsdam statt. Es gibt Gemeinden und Initiativen in Cottbus, Frankfurt (Oder), Oranienburg, Bernau und weiteren Orten. Die frühere Schlosskirche in Cottbus ist heute Synagoge. In Potsdam steht ein neues Synagogenzentrum. In den Städten geht es um Gottesdienste, Feiertage, Gemeindeleben, Führungen, Bildungsarbeit, Tora-Rollen, lokale Geschichte und kommunale Ansprechpartner. Damit verschob Büttner den Blick: Jüdisches Leben soll nicht nur sichtbar werden, wenn es bedroht ist. Es ist Teil der brandenburgischen Gegenwart. Dieser Punkt war einer der konstruktivsten des Abends. Schutz bleibt notwendig. Gedenken bleibt notwendig. Sicherheitsfragen bleiben notwendig. Aber jüdisches Leben darf nicht in diesen drei Kategorien aufgehen. Es ist religiös, kulturell, kommunal und politisch gegenwärtig. Wer nur über Bedrohung spricht, zeigt jüdisches Leben im Ausnahmezustand. Wer auch über Gemeinden, Feiertage, Synagogen, Bildungsarbeit und lokale Ansprechpartner spricht, zeigt es als Teil des Landes. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:03 Nr.161 Kufiya, Neonazis und Symboltransfer Gegen Ende kam die Frage auf, ob Neonazis palästinasolidarische oder antiisraelische Symbolik übernehmen. Büttner nannte Antisemitismus als verbindendes Element. Carstiuc ergänzte rechte Szene-Bezüge. Die rechte Nutzung der Kufiya ist belegt; als Name ist hier Gerd Ittner zu führen, das konkrete Kufiya-Detail bleibt offen. Matthias Fischer, die Fränkische Aktionsfront und Fürth 2002 bilden den rechten Szene-Kontext. Gut belegt ist auch die rechte Formel „Gestern Dresden – heute Gaza“, die Dresdner Opfermythos, Täter-Opfer-Umkehr und israelbezogene Projektion verbindet. Das ist keine Gleichsetzung politischer Milieus. Der Punkt ist schärfer: Antisemitische Feindbilder ermöglichen Übergänge zwischen Gruppen, die sonst wenig miteinander teilen. Rechte, linke und islamistische Milieus bleiben verschieden. Aber Symbole wandern, wenn sie denselben Feind markieren. Israelhass, Antiamerikanismus, Täter-Opfer-Umkehr und die Vorstellung jüdischer Macht können sehr unterschiedliche politische Sprachen verbinden. Genau deshalb war der Abschnitt für den Abend wichtig. Er zeigte, dass Antisemitismus keine starre Milieueigenschaft ist. Er kann in unterschiedlichen ideologischen Sprachen auftreten und dennoch ähnliche Bilder erzeugen: Israel als absoluter Täter, Juden oder Zionisten als Machtzentrum, die eigene Seite als Opfer. Wer diese Wanderung von Symbolen versteht, erkennt schneller, warum manche Parolen in Lagern auftauchen, die sich sonst gegenseitig ablehnen. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:03 Nr.162 Der informelle Nachlauf Im informellen Nachlauf fragte ein Besucher Büttner, wie dick sein Fell eigentlich sei. Büttner antwortete persönlich. Die vergangenen Wochen seien brutal gewesen; es habe Momente gegeben, in denen er gedacht habe, er könne nicht mehr. Als Wendepunkt nannte er eine Veranstaltung in Ravensbrück im Umfeld des 81. Jahrestags der Befreiung. Dort habe er gemerkt, dass Menschen positiv reagierten und dass er seine Amtsrolle weiter ausfüllen müsse. Dieser Nachlauf gehört nicht zum offiziellen Veranstaltungsteil. Er zeigt dennoch, wie eng Amt, öffentliche Debatte und persönliche Belastung ineinandergreifen. Wer Antisemitismus öffentlich benennt, wird schnell selbst zur Projektionsfläche. Büttners Antwort machte sichtbar, dass institutionelle Rollen Menschen nicht unverwundbar machen. Sie verlangen nur, dass man trotz Verletzbarkeit handlungsfähig bleibt. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:04 Nr.163 Schluss Der Abend im Bajszel zeigte Antisemitismus als Querschnittsproblem: Verwaltung, Schule, Landtag, Hochschule, Justiz, Social Media, Stadtteilöffentlichkeit und jüdisches Gemeindeleben kamen zusammen. Seine stärksten Momente lagen dort, wo konkrete Fälle größere Strukturen sichtbar machten: ein Satz in der Behörde, eine Parole vor Gericht, eine Ringvorlesung an der Universität, ein angegriffener Veranstaltungsort in Neukölln. Büttners Linie war klar: Antisemitismus muss benannt, dokumentiert und institutionell bearbeitet werden. Jüdisches Leben darf zugleich nicht nur als gefährdetes Leben erscheinen. Schutz, Sichtbarkeit und Normalität gehören zusammen. Der Abend machte deutlich, wie schwer diese Verbindung ist und warum sie notwendig bleibt. >> Anonymous 30.05.26 (Sa) 17:14 Nr.164 Nachtrag: Büttners Umfeld, PEBS, Zera und die Webseite Ein Reporter der taz fragte Büttner nach der öffentlichen Kontroverse um zwei Männer aus seinem persönlichen Umfeld, gegen die im Zusammenhang mit dem Anschlag auf sein Grundstück ermittelt wird. Nach Berichten von rbb24 und taz stammen die Verdächtigen aus Büttners Umfeld; Büttner hatte mit ihnen 2023 eine gemeinsame Firma gegründet. Die Polizei führt Büttner nach der bisherigen Berichterstattung nicht als Verdächtigen, sondern als Zeugen und Geschädigten. Büttner bestreitet, von Anschlagsplänen gewusst zu haben. Büttner sagte im Gespräch, er habe Ende April von den Ermittlungen erfahren. Er sei geschockt gewesen. Aus seiner Sicht lasse sich aus persönlichen oder geschäftlichen Kontakten keine Beteiligung und keine Mitwisserschaft ableiten. Die Bewertung der Verdächtigen, ihrer Motive und möglicher Tatbeiträge sei Sache der Ermittlungsbehörden. Der Reporter fragte außerdem nach Förderstrukturen, Zera Institute e.V., PEBS gUG und Projekten zur Antisemitismusbekämpfung. Büttner verwies darauf, dass seine Brandenburger Stelle keine Fördermittel vergebe. In Brandenburg liefen solche Mittel über andere Strukturen. Zur Berliner Förderpolitik äußerte er sich zurückhaltend. Berlin müsse eigene Förderentscheidungen selbst prüfen. Die Recherche ergab, dass PEBS gUG auf der eigenen Webseite Büttner ausdrücklich als Schirmherrn nennt. Dort heißt es, man setze sich „gemeinsam mit unserem Schirmherrn, Andreas Büttner“ für Gedenkarbeit, historisches Bewusstsein und den Kampf gegen Antisemitismus ein. Auf derselben Seite werden Spenden zur Bewahrung des Gedenkens, zur Förderung von Bildungsprojekten gegen Antisemitismus und zur Bewahrung jüdischer Kultur eingeworben. Außerdem beschreibt PEBS die Erhaltung von Gedenkstätten und jüdischen Friedhöfen als Teil der eigenen Arbeit. Auch das Zera Institute wurde angesprochen. Die öffentliche Webseite führt einen Expertenrat, Kooperationspartner, einen Spendenbereich und den Hinweis auf Förderung durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Suchergebnisse führten Büttner zeitweise im Zusammenhang mit dem Zera-Expertenbeirat; in der aktuell geöffneten Fassung der Seite erscheint sein Name im sichtbaren Text nicht. Für eine Veröffentlichung sollte deshalb nur formuliert werden, dass Zera im Gespräch und in der Recherche als Teil des Umfelds von Projekten, Förderungen und Beirats-/Kooperationsstrukturen auftauchte. Besonders konkret wurde die Nachfrage bei einer Webseite zu jüdischem Leben in Brandenburg. Nach Darstellung des Fragestellers hatten die späteren Verdächtigen bzw. ihr Bildungsdienstleister eine Seite aufgebaut, auf der jüdisches Leben in Brandenburg sichtbar gemacht werden sollte. Dort seien Spenden gesammelt und falsche oder fragwürdige Angaben gemacht worden. Genannt wurden unter anderem die Bezeichnung einer Taharahalle als Synagoge und die Darstellung eines jüdischen Friedhofs in Prenzlau. Büttner antwortete, ihm seien bei der Webseite inhaltliche Fragen aufgefallen, nicht aber die Spendensammlung. Die falsche Bezeichnung der Taharahalle sei weitergegeben worden. Die Darstellung des Friedhofs in Prenzlau habe er nicht einfach als falsch angesehen; dort lägen Zuständigkeiten beim Landesverband der jüdischen Gemeinden und bei kommunalen Pflegepflichten. Er räumte ein, die Webseite später aus dem Blick verloren zu haben. Sein Anwalt habe dafür gesorgt, dass sein Name entfernt werde; die Seite sei gelöscht worden. Der Vorgang gehört ins Protokoll, weil er eine Sachfrage berührt: Wer im Namen jüdischen Lebens, Gedenkarbeit oder Antisemitismusprävention öffentlich auftritt, braucht korrekte Begriffe, klare Zuständigkeiten und transparente Verantwortung. Eine Taharahalle ist keine Synagoge. Ein jüdischer Friedhof ist kein frei verfügbares Symbolmaterial. Spendenaufrufe, Schirmherrschaften und Projektseiten müssen besonders sauber sein, weil sie Vertrauen beanspruchen. Büttner kritisierte außerdem die Berichterstattung zu seinem privaten und geschäftlichen Umfeld. Nach seiner Darstellung seien Kontakte, alte Geschäftsbezüge und missverständliche Details zu einer Verdachtskulisse verbunden worden. Er nannte als Beispiel eine ältere Freundin der Familie in den USA, deren früheres Unternehmen für Nachtsichtgeräte in Richtung Waffen- oder Rüstungsnähe gerückt worden sei. Büttner wies diese Deutung zurück. [ Seitenanfang ]